Regenwasser sammeln und speichern – Schritt für Schritt Anleitung

Regenwasser ist ein kostenloser, weicher und umweltfreundlicher Rohstoff für die Gartenbewässerung. Mit einem eigenen Sammelsystem können Sie Ihren Wasserverbrauch senken, die Regenwasser‑Kosten reduzieren und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie ein funktionierendes Regenwassersammelsystem von der Idee bis zur Instandhaltung aufbauen.
1. Was Sie vorher wissen sollten
- Regenwasserqualität: Gesammeltes Regenwasser ist in der Regel weich und frei von Chlor, enthält jedoch Staub, Blattwerk und eventuell Mikroorganismen. Für die Bewässerung von Grünflächen ist es unbedenklich, für den Verzehr muss es aufbereitet werden.
- Rechtliche Rahmenbedingungen: In den meisten deutschen Bundesländern ist das Sammeln von Regenwasser aus privaten Dachflächen erlaubt, solange das Wasser nicht in das öffentliche Abwassersystem eingeleitet wird. Prüfen Sie lokale Vorgaben (z. B. Wasserbehörde, Bauamt).
- Durchschnittlicher Niederschlag: Der mittlere Jahresniederschlag in Deutschland liegt bei etwa 700 – 800 mm. Das bedeutet, dass ein 1 m² großes Dach pro Jahr etwa 700 – 800 Liter Regenwasser liefert – ein wichtiger Ansatz für die Dimensionierung des Tanks.
Hinweis: Die genauen Zahlen zu Niederschlag und gesetzlichen Vorgaben sollten Sie anhand lokaler Messdaten und behördlicher Informationen verifizieren.
2. Planung des Systems
| Entscheidungspunkt | Was Sie berücksichtigen sollten | Beispielhafte Optionen |
|---|---|---|
| Tankvolumen | Größe des Daches, erwarteter Jahresniederschlag, gewünschte Autonomie (Tage ohne Regen) | 200 L, 500 L, 1000 L, 2000 L |
| Material | Lebensdauer, UV‑Beständigkeit, Kosten, Gewicht | Kunststoff (UV‑stabil), Beton, Metall (galvanisiert) |
| Aufstellort | Nähe zum Garten, Gefälle, Erreichbarkeit für Wartung | Unterirdisch, auf Stelzen, freistehend |
| Filter & Vorfilter | Verhindert Verstopfung durch Blätter, Insekten | Sieb‑Vorsatz, Kies‑Filter, Geotextil |
| Pumpen‑ bzw. Schwerkraftbetrieb | Energiebedarf, gewünschte Bewässerungsdruckhöhe | Elektropumpe (0,5 kW), Schwerkraft (falls Tank höher als Garten) |
2.1 Bestimmung des Tankvolumens
- Ermitteln Sie die nutzbare Dachfläche (m²). Beispiel: 30 m².
- Multiplizieren Sie mit dem durchschnittlichen Jahresniederschlag (in Metern). 30 m² × 0,75 m = 22,5 m³ ≈ 22 500 Liter potenziell verfügbar.
- Setzen Sie ein Ziel für die Eigenverbrauchsquote (z. B. 30 % für die Gartenbewässerung). Das ergibt ca. 6 750 Liter.
- Wählen Sie ein Tankvolumen, das mindestens 10 %‑15 % des Jahresvolumens abdeckt, um Schwankungen auszugleichen. Für unser Beispiel wäre ein 1000 L‑Tank ein guter Start; bei größerem Bedarf kann ein zweiter Tank ergänzt werden.
Zu prüfen: Lokale Bauvorschriften bezüglich maximaler Tankhöhe und Aufstellungsort.
3. Schritt‑für‑Schritt‑Installation
3.1 Materialien & Werkzeuge
- Regenwasser‑Tanks (z. B. 1000 L Kunststoffbehälter)
- Fallrohr‑Adapter (Dachrinne zu 100 mm Durchmesser)
- Vorfilter‑Siebe (Maschenweite 1 mm)
- Anschlussstücke (PVC‑Schläuche, Schlauchschellen)
- ggf. Unterkellerungs‑ oder Stellrahmen‑Material
- Wasserpumpe (optional) und Schlauch für die Bewässerung
- Werkzeuge: Bohrmaschine, Schraubenschlüssel, Wasserwaage, Silikonabdichtung
3.2 Montage des Vorfilters
- Reinigen Sie die Dachrinne gründlich, entfernen Sie Laub und Schmutz.
- Montieren Sie das Vorfilter‑Siebl am Fallrohr‑Einlass. Das Sieb fängt grobe Partikel ab und reduziert Verstopfungen.
- Dichten Sie den Anschluss mit Silikon ab, um Undichtigkeiten zu vermeiden.
3.3 Anschluss des Fallrohrs an den Tank
- Positionieren Sie den Tank so, dass das Fallrohr mit minimalem Gefälle (ca. 1 % ≈ 1 cm pro Meter) zum Tank führt.
- Schneiden Sie das Fallrohr passend zu, setzen Sie das Anschlussstück (z. B. 100 mm Muffe) ein und sichern Sie es mit Schlauchschellen.
- Installieren Sie ein Rückschlagventil, um zu verhindern, dass Wasser aus dem Tank zurück in die Dachrinne fließt.
3.4 Installation des Haupttanks
- Stellen Sie den Tank auf eine ebene Fläche (Betonplatte oder stabile Unterkonstruktion). Bei Unterkellerung achten Sie auf Frostschutz und ausreichende Belüftung.
- Verbinden Sie das Fallrohr mit dem Tank-Einlass (in der Regel über ein 100 mm Anschlussrohr).
- Montieren Sie den Überlauf (z. B. 50 mm Durchmesser) mit einem Sickerrohr, das überschüssiges Wasser sicher ableitet.
3.5 Anschluss an das Bewässerungssystem
- Falls Sie eine Pumpe verwenden, installieren Sie diese am Tankauslass, achten Sie auf die richtige Leistungsgröße (z. B. 0,5 kW für 2‑Bar‑Druck bei 100 L/min).
- Verlegen Sie den Bewässerungsschlauch vom Tankauslass zu den Gartenbeeten. Nutzen Sie Tropfschläuche oder Sprinkler, je nach Bedarf.
- Einbau eines Druckbegrenzungsventils schützt das System vor zu hohem Druck.
3.6 Testlauf & Inbetriebnahme
- Füllen Sie den Tank manuell (z. B. mit einem Schlauch) und prüfen Sie alle Verbindungen auf Undichtigkeiten.
- Starten Sie die Pumpe (falls vorhanden) und kontrollieren Sie den Durchfluss.
- Überprüfen Sie den Überlauf, indem Sie den Tank bis zur Maximalhöhe füllen.
- Dokumentieren Sie das System (Pläne, Herstellerangaben, Wartungsintervalle).
4. Wartung & Pflege
| Wartungsaufgabe | Häufigkeit | Vorgehen |
|---|---|---|
| Reinigung des Vorfilters | monatlich (nach starkem Laubfall) | Sieb entfernen, abspülen, ggf. mit Bürste reinigen |
| Kontrolle des Tankinhalts | vierteljährlich | Sichtprüfung auf Algen, Schwebstoffe; ggf. Oberflächenschicht entfernen |
| Pumpenwartung | halbjährlich | Filter reinigen, Lüfter prüfen, Kabelverbindungen kontrollieren |
| Überprüfung der Dichtungen | jährlich | Silikonfugen nachziehen, Dichtungen auf Risse prüfen |
| Winterfest machen (bei freistehenden Tanks) | vor Frost | Tank entleeren oder Frostschutzmittel (z. B. Propylenglykol) hinzufügen |
Checkliste für die Saison
- Vorfilter gereinigt
- Tankdeckel dicht
- Pumpe funktionsfähig
- Überlauf frei
- Schläuche ohne Knicke
- Dokumentation aktualisiert
5. Wirtschaftliche und ökologische Vorteile
- Wasserkosten sparen: Ein 1000 L‑Tank kann bei einem durchschnittlichen Gartenverbrauch von 5 L/m²/Tag (bei 200 m²) bis zu 40 Tage autark versorgen.
- Reduzierter Abfluss: Verhindert Starkregen‑Überläufe, schützt das Grundwasser.
- Geringere Belastung des kommunalen Kanalsystems.
- CO₂‑Einsparung: Weniger Trinkwasseraufbereitung und -transport.
Hinweis: Die genauen Einsparungen hängen von lokalen Wasserpreisen und dem individuellen Gartenbedarf ab – bitte mit Ihren aktuellen Tarifen kalkulieren.
6. Häufige Fragen (FAQ)
Wie groß muss das Regenwasser‑System für einen 300 m²‑Garten sein?
- Bei einem Bedarf von ca. 5 L/m²/Tag benötigen Sie etwa 1500 L pro Tag. Ein Tank von 2000 L deckt bei durchschnittlichem Regen etwa 2‑3 Tage ohne Niederschlag.
Darf ich das gesammelte Regenwasser trinken?
- Nur nach Aufbereitung (Filtration, UV‑Desinfektion). Für die Gartenbewässerung ist keine Trinkwasserqualität nötig.
Muss ich das Wasser vor dem Einsatz filtern?
- Ein Vorfilter reicht für die meisten Bewässerungsanwendungen. Bei empfindlichen Pflanzen kann ein Feinfilter (0,2 mm) sinnvoll sein.
7. Fazit – Ihr Weg zum nachhaltigen Garten
Mit einer gut geplanten Regenwassersammelanlage reduzieren Sie Ihre Wasserrechnung, schonen die Umwelt und gewinnen Unabhängigkeit von der kommunalen Versorgung. Folgen Sie den hier beschriebenen Schritten, passen Sie das System an Ihre örtlichen Gegebenheiten an und führen Sie die regelmäßige Wartung durch – dann steht einer effizienten, grünen Gartenbewässerung nichts mehr im Weg.
Hinweis für die Redaktion: Bitte prüfen Sie die lokalen gesetzlichen Vorgaben und die durchschnittlichen Niederschlagsdaten für die Zielregion, bevor das Dokument veröffentlicht wird.